In Schramberg wird das Museum "Erfinder-Zeiten" eröffnet

Unikate auf vier Rädern

Schramberg zeigt im neuen Museum Uhren, Autos und Zeitgeschichtliches. Nicht mehr ganz so junge Besucher entdecken viel aus ihrer Jugendzeit.

Schramberg - Mit etwas Phantasie geht der Aufzug im Gebäude der früheren Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik in Schramberg (Kreis Rottweil) auch als Zeitmaschine durch. Der Lift bringt die Besucher in den vierten Stock - in die Welt der Uhren. "Hier beginnt die Führung", sagt Museumsleiter Harald Burger. Durch die 200-jährige Geschichte der Uhr im Schwarzwald und 25 Nachkriegsjahre geht es dann zurück ins Erdgeschoss. In die alte Fabrik ist das neue städtische Museum "Erfinder-Zeiten" eingezogen, das Zeit und Mobilität als Themen vereint. Ministerpräsident Stefan Mappus eröffnet es heute.

Die Führung beginnt unterm Dach, weil dort die Uhren-Ausstellung ist. Schramberg war einst ein Zentrum der Uhrenherstellung und Junghans größter Arbeitgeber. Zu besichtigen ist der Wandel, den die Uhrenherstellung genommen hat.

Vor 200 Jahren wurden Zahnräder noch aus Holz geschnitzt. Wie es zu der Zeit in einer Uhrmacherwerkstatt ausgesehen hat, kann der Besucher anschauen. An einer Hörstation können die einstigen Uhrfabrikanten und Konkurrenten Paul Landenberger und Arthur Junghans beim Streitgespräch belauscht werden. Die Exponate zeigen den technischen Wandel. Die Entwicklung der Quarzuhr hatte dabei "fatale Folgen", heißt es in der Schau, plötzlich waren Stanzer und Feinmechaniker überflüssig. Zwei von ihnen, arbeitslos geworden, reden auch an einer Hörstation miteinander.

Auf den Etagen unter den "Uhrzeiten" folgen die "Autozeiten". Dort werden vor allem Fahrzeuge aus der Zeit von 1945 bis 1970 gezeigt, darunter einige Unikate. "An den Autos ist der technische Fortschritt gut ablesbar", sagt Martin Sauter, Unternehmer aus Balingen. Er sammelt seit 40 Jahren Autos und Zeitdokumente. In den "Autozeiten" sind 220 Fahrzeuge ausgestellt, darunter 80 Autos - alle sind in ihren zeitlichen Kontext gestellt. Denn Sauter ging es nicht darum, Autos zu sammeln, sondern die jeweilige Zeit und "Zeitzeugen" einzufangen. So steht der Besucher vor einer komplett ausgestatteten Flüchtlingsstube der Nachkriegsjahre, in der Not erfinderisch machte. Wie sich die Menschen damals fortbewegt haben, wird anhand etlicher, zum Teil abenteuerlicher Exponate gezeigt. Vor allem Kleinfahrzeuge und viele Autos der Marke Eigenbau sind ausgestellt.Beim Thema im zweiten Stock - die Aufbaujahre 1950 bis 1955 - kann man auch Tante-Emma-Laden, Friseursalon und ein Wohnzimmer bestaunen. Besucher, die nicht mehr so jung sind, müssen sich auf etliche déjà-vu-Erlebnisse gefasst machen: Es gibt Nierentische, Blumenständer, alte Fernseher und Radios zu sehen. 1955 bis 1970 brummte die Wirtschaft in Deutschland, die Massenmotorisierung setzte ein, jeder wollte mit seinem Vehikel in Urlaub. Was auf den Straßen unterwegs war, wird im ersten Stock gezeigt. Das Erdgeschoss ist den besonderen Schmuckstücken der Sauterschen Sammlung vorbehalten.

26.03.2010 - 08:30 Uhr


Quellenangabe: Petra Walheim: „Unikate auf vier Rädern “, Tagblatt, 26.03.2010, http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/baden-wuerttemberg_artikel,-In-Schramberg-wird-das-Museum-Erfinder-Zeiten-eroeffnet-_arid,96123.html, 03.03.2011