Architektur trifft Technik – Das Gebäude von Philipp Jakob Manz
Das Dieselmuseum ist in einem eindrucksvollen Jugendstil-Industriegebäude untergebracht, das auf die Handschrift des bedeutenden Industriearchitekten Philipp Jakob Manz zurückgeht. Manz prägte mit seinen funktional durchdachten, klar gegliederten Bauformen die Industriearchitektur seiner Zeit maßgeblich. Seine Gebäude standen für Rationalität, Stabilität und technische Modernität – Eigenschaften, die perfekt zur aufstrebenden Maschinenindustrie passten.
Auch hier zeigt sich dieser Anspruch: großzügige Raumwirkung, tragende Konstruktionen mit klarer Struktur und eine Architektur, die Technik nicht versteckt, sondern bewusst in Szene setzt.
Heute steht das Gebäude ganz im Zeichen des gewaltigen Dieselmotors. Besucherinnen und Besucher können hier die Faszination dieser Großmaschine unmittelbar auf sich wirken lassen. Der Raum verstärkt die Wirkung des Motors – Größe, Masse und technische Präsenz werden eindrucksvoll erfahrbar.
Der MAN-Dieselmotor
Auch Sie werden staunen, wenn Sie vor diesem Dieselaggregat stehen. Vier einzeln aufgestellte, gusseiserne Zylindertürme ragen mehr als drei Meter in die Höhe. Allein ihre Dimension beeindruckt – zusammen trieben sie einst das gewaltige Schwungrad des MAN-Motors aus der Augsburger Maschinenfabrik an.
Mit einem Gesamthubraum von 340 Litern leistete der Motor bei lediglich 167 Umdrehungen pro Minute beeindruckende 325 PS (239 kW). Heute klingt diese Zahl vertraut – doch im Jahr 1911 war eine solche Leistung außergewöhnlich. Sie genügte, um den gesamten Spitzenstrom für die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik (HAU) zu erzeugen. Zusätzlich versorgte die Energiezentrale das Unternehmen mit Druckluft.
Der auf der Kurbelwelle montierte Schwungrad-Drehstromgenerator wandelte die mechanische Kraft in elektrische Energie um. Die gewaltigen Schwungräder sorgten für einen ruhigen Lauf und glichen die enormen Kräfte aus, die in den Zylindern wirkten.
Zwischen 1911 und 1920 verließen lediglich acht Exemplare des Typs A4V60 die Werkshallen von MAN in Augsburg. Drei blieben in Deutschland, fünf wurden nach Russland exportiert. Der Schramberger Motor ist der erste dieser Baureihe. Noch vor seiner Auslieferung wurde er für den Betrieb mit Steinkohlenteeröl umgerüstet – ein Abfallprodukt der Koks- und Leuchtgasproduktion. Dieses war günstiger als das knappe Gasöl und bei einem Verbrauch von rund 66 Litern pro Stunde ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor.
Solche Großdiesel trieben nicht nur Industrieanlagen an, sondern auch Schiffe oder lieferten die Elektrizität für die Kiewer Straßenbahn. Die Typenbezeichnung „A4V60“ beschreibt den Motor präzise:
A – Bauserie
4 – vier Zylinder
V – vertikale Bauweise
60 – 60 Zentimeter Kolbenhub
Der Schramberger Diesel ist damit nicht nur eine technische Rarität, sondern ein eindrucksvolles Zeugnis der frühen industriellen Energieversorgung – monumental in seiner Bauweise, präzise in seiner Konstruktion und wegweisend für die Entwicklung moderner Antriebstechnik.
Das Fotoatelier im Dieselmuseum
Im Obergeschoss des Dieselmuseums wurde das ehemalige Fotoatelier der HAU nachgebildet. Hier entstanden früher die Katalogaufnahmen des Unternehmens.
Die rekonstruierte Dunkelkammer zeigt zahlreiche historische Einrichtungen und vermittelt einen Eindruck davon, wie aufwendig die fotografische Arbeit vor der digitalen Zeit war. Entwicklung, Belichtung und Ausarbeitung der Bilder erforderten technisches Wissen, Geduld und handwerkliches Können.
In einem weiteren Raum wird anhand verschiedener Fotoapparate die Entwicklung der Fotografie dargestellt. Unterschiedliche Kameramodelle veranschaulichen den technischen Fortschritt im Laufe der Jahrzehnte.
Im letzten Raum befinden sich die beiden Hochbehälter des Dieselmuseums. Aus ihnen flossen Teeröl und Zündöl in den Dieselmotor – ein technisches Detail, das die Funktionsweise und Versorgung dieser Großmaschine anschaulich ergänzt.
Impressionen
Philipp Jakob Manz
Anschrift der Museen
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Gewerbepark H.A.U. 3/5 78713 Schramberg
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